1972 Ausbildung zum Industrie- und Textilkaufmann bei den Vereinigten Seidenwebereien AG in Krefeld. Abschluss 1975
1977 Studium der Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg. Nebenfächer: Archäologie, Ostasiatische Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaft
1980–1990 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein (fortlaufende Werkverträge), zahlreiche Ausstellungen und Kataloge
1980–1986 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Prinzhorn-Sammlung Heidelberg (fortlaufende Werkverträge), Mitarbeit an Ausstellungen und Katalogen
1986 Freie journalistische Tätigkeit für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften
1987–1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Heidelberger Kunstvereins, verschiedene Ausstellungen und Kataloge
1989 Abschluss der Dissertation „Hans Nagel – Das plastische Werk. Eine Untersuchung zur Entwicklung der Formensprache. Mit einem Werkverzeichnis.“ bei Prof. Dr. Peter Anselm Riedl, Kunsthistorisches Institut der Universität Heidelberg
1991–2009 Kurator am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, Lehraufträge am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg
2002–2009 Stellvertretender Direktor am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main
2009–2020 Professur „Kunst der Gegenwart. Kunst im Diskurs.“ an der HBK Braunschweig im Bereich Freie Kunst
Seit 2004 Mitglied des Kuratoriums der Marli Hoppe-Ritter-Stiftung zur Förderung der Kunst
Seit 2018 Leitung und Vorsitz der Jury des Großen Hans-Purrmann-Preises für Bildende Kunst der Stadt Speyer
Claudia Michels, Herr Bee geht nach B., Der stellvertretende Direktor des MMK verlässt das Museum, kann aber Frankfurt nicht lassen, Frankfurter Rundschau, 30. Juli 2009
Herr Bee geht nach B. Der stellvertretende Direktor des MMK verlässt das Museum, kann aber Frankfurt nicht lassen.
Andreas Bee steht in der Frankfurter Museumslandschaft seit 19 Jahren in der zweiten Reihe. Ein Direktorenwechsel nach dem anderen im Museum für Moderne Kunst (MMK) und Bee war stets am Platz. Rückte aber niemals vor auf A. Jetzt ist Schluss. Bee geht, „schweren Herzens“. Herr Bee geht nach B., nach Braunschweig. Das ist nun auch nicht wirklich A.
Obwohl er geht, bleibt Herr Bee also zugleich ein bisschen: „Ich mag Frankfurt nicht lassen.“ Drei Tage jede Woche braucht ihn die dortige Hochschule für Bildende Künste, wo der ausgebildete Industriekaufmann und promovierte Kunsthistoriker im September eine Professur „Kunst im Diskurs“ antritt. Der Rest bleibt für F., für Frankfurt. Den Rest regelt für Professor Bee, der für das MMK noch drei Ausstellungsprojekte betreuen wird, der ICE; „zweieinhalb Stunden sind es nach Braunschweig“.
Zwanzig Szenenwechsel
Seit 19 Jahren also steht Andreas Bee für das vor 19 Jahren eröffnete MMK. Wenn er sich aufrichtet, ist das dicht an dicht möblierte, weiß in weiß gehaltene Museumsbüro im „Tortenstück“ an der Domstraße voll. Dabei fehlt noch eine. Der stellvertretende Museumsdirektor Bee deutet auf den gerade leeren Schreibtisch gegenüber und erklärt (ungefragt) freudestrahlend: „Da sitzt Daniela, meine Assistentin. Seit 19 Jahren.“ So? Dann stellt er fest: „Noch nie habe ich es mit einem Menschen so lange ausgehalten.“
Ach? Man sagt ja, hinter jedem wichtigen Mann stehe eine tolle Frau. Die nun, Daniela Denninger, tritt ein und wird nicht versteckt, vielmehr vorgestellt. Diese Assistentin vermag die Stimmung des Kunstvermittlers zu heben: „Oft bin ich von zuhause weggegangen, da hatte ich schlechte Laune, kaum war ich hier, hatte ich gute Laune.“ Zuhause, das ist für Herrn Bee, für den es sich „mit Familie im klassischen Sinne nie ergeben hat“, der Frankfurter Römerberg.
Da wohnt er, über dem Presse- und Informationsamt, unter dem Dach. Und da bleibt er auch wohnen. Wie es so einige aus dem hiesigen Kulturbetrieb halten, die nach langen Frankfurt-Jahren in leitender Funktion vielleicht den Job, aber nicht mehr die Stadt wechseln wollen: „Frankfurt ist so offen, so transparent, so voller toller Biografien. Frankfurt hat so was Verbindendes,“ fasst Andreas Bee mit Verve zusammen. Das hat ganz klar auch mit Leuten wie ihm zu tun, mit diesen für die Stadt typischen Schaffern, die nie Zeit haben, weil sie sich ständig für irgendetwas begeistern, dem sie unbedingt auf den Grund gehen und das sie wahnsinnig gern rüberbringen wollen.
„Gespräche mit den Menschen waren immer das Schönste“
Der Bochumer Bee, der nach dem Studium in Heidelberg mit dem ersten Museumsleiter Jean-Christophe Ammann an den Main kam, hat allein bis kurz nach dessen Abschied, bis 2002, diese hervorragende und immer wertvollere Sammlung zeitgenössischer Kunst zwanzig Mal zu einem neuen „Szenenwechsel“ auf den Kopf stellen helfen. Und mit Eigensinn den Ausbau wichtiger Werkgruppen betrieben. Das ist das eine. „Ein gelungener Coup“, wie Bee in einer Chronik am Ende der Ammann-Ära resümierte.
Das andere ist die Vermittlung, die Aufgabe, zu erklären, warum ein erleuchteter Plastikschlauch auf dem Fußboden oder eine Zinkwanne mit einem Stuhl drin als Kunstwerke ausgestellt sind. „Kunst im Diskurs“ halt, „ich erzähle Ihnen, was mir einfällt, Sie erzählen mir, was Ihnen einfällt“. Die Gespräche mit den Menschen, „das war immer das Schönste“. Jeder wissenschaftliche Mitarbeiter am Haus macht wenigstens eine öffentliche Führung in der Woche, postuliert der Kurator. Und nie, nie, nie habe er eine ausfallen lassen. Und davon werde er auch „bis zum letzten Tag nicht ablassen“.
Es ist eine Zäsur für das Haus, das in den Herzen Vieler seinen Platz hat. Aber Daniela Denninger, die bleibt ja. Und die neue Direktorin Susanne Gaensheimer wird als „sehr wunderbarer, integrer Mensch“ geschätzt. „Man darf nicht rückwärts gewandt sein“, meint Bee. Und er wolle noch mal „etwas anderes probieren“.
Und gibt es noch ein Fest, wer stößt auf seine Zukunft an? Ja, „ich mach´ ein Fest“, verkündet Herr Bee, und springt auf: „Da hole ich Ihnen auch gerne ´ne Einladung.“ Er bringt eine weiße Karte, vorne drauf ein rotes V, das steht für „Vorwärts und nicht vergessen…“, das Solidaritätslied. Mit dem Refrain: „…worin Deine Stärke besteht… „. Und auf der Karte hintendrauf, ganz unten, liest man, in sehr kleiner Schrift: „Bye, bye MMK“.
Michael Hierholzer, Den Künstler besser verstehen, als er sich selbst versteht, Andreas Bee hat das Frankfurter Museum für Moderne Kunst mitgeprägt, nun verlässt er es und wird Professor in Braunschweig, FAZ/Rhein-Main-Zeitung, 22. Juli 2009
„… Im tiefen Grunde ist Bee ein hermeneutischer Romantiker, ein romantischer Hermeneut (Heidelberg! Gadamer!). Den Künstler besser verstehen, als er sich selbst versteht, könnte als Leitspruch über all seinen unangestrengt wirkenden Anstrengungen stehen, auch spröde Werke so zu deuten, dass das Publikum ihren gedanklichen, symbolischen, assoziativen, historischen, ästhetischen, sinnlichen Reichtum erfasst. … Bee hat für die Außenwirkung des am 6. Juni 1991 eröffneten Museums für Moderne Kunst viel getan. Mit Charme und Geschmeidigkeit. Ammann provozierte gelegentlich schroff. Bee überraschte mit Einsichten und Ansichten. Und er hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Haus im Inneren funktionierte. … Nun verlässt er das Haus, das er wesentlich mitgeprägt hat, das auch seine Handschrift trägt, in dem auch er dafür verantwortlich war, dass es keine Verwechslung geben konnte mit vergleichbaren Institutionen. …“ Der vollständigen Artikel findet sich im Archiv der FAZ und ist kostenpflichtig
Christoph Schütte, Verrückt nach Kunst, Zum 70. Geburtstag von Andreas Bee, FAZ/Rhein-Main-Zeitung, 25. August 2023
„… Darüber hinaus machte sich Bee, der beim Direktorenwechsel zu Udo Kittelmann die stellvertretende Leitung des Museums übernahm, rasch als Kurator einen Namen. er war verantwortlich für Ausstellungen von Tino Sehgal, Miroslav Tichy und Peter Roehr und verließ das Haus, als Susanne Gaensheimer zur Direktorin berufen wurde, nach fast 20 Jahren dann etwas überraschend doch. Dabei ist er keineswegs im Clinch geschieden, sondern folgte einem Ruf an die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.“ Der vollständigen Artikel findet sich im Archiv der FAZ und ist kosten pflichtig.